Das Wichtigste in Kürze

Das Konzept der Polyamorie ist abzugrenzen von anderen Beziehungsmodellen wie einer „offenen Beziehung”, der „freie Liebe” oder der „Polygamie“ – also der traditionellen, häufig arrangierten Vielehe. Es bedeutet in erster Linie, dass Menschen mehr als eine Person lieben und mit mehreren Frauen und Männern eine intime, tiefe, romantische Beziehung haben können und dürfen. Sehr wichtig: Alle Beteiligten sind dabei informiert und einverstanden. 

Dieses Konzept setzt viel Kommunikationsarbeit voraus. Um Enttäuschungen und Eifersucht vorzubeugen, sollten alle Partner sich ihrer Gefühle, Motive und Erwartungen bewusst sein und darüber im Austausch miteinander bleiben.

Sie überlegen, ob Polyamorie ein möglicher Weg für Sie ist? Über folgenden Button können Sie einen Termin in meiner Münchner Praxis vereinbaren.

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Was ist Polyamorie?

Polyamorie bedeutet, gleichzeitig Liebesbeziehungen mit mehreren Menschen zu führen. Anzahl und Geschlecht spielen keine Rolle. Der Begriff an sich ist relativ neu: Es gibt ihn seit den 90er Jahren. 

Illustration mehrerer Vorhängeschlösser an einem Gitter, jeweils mit eingravierten Initialen von Paaren, die symbolisch für Beziehungen stehen.

Dennoch haben Menschen in verschiedenen Kulturen zu allen Zeiten polyamor gelebt. Anthropologische Analysen, basierend auf dem Ethnographic Atlas mit 1.231 historischen Kulturen – zeigen, dass nur rund 15–17 % der Menschen streng monogam lebten.

Vermutet wird, dass die Zweierbeziehung bzw. Ehe sich erst im Zuge der Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht etabliert hat.

Noch heute gibt es vielerorts auf der Welt Kulturen, in denen mehr als zwei Partner als völlig normal gelten. Häufig handelte es sich dabei allerdings um eine polygame Beziehung, die vor allem Männern zusätzliche Freiheit gestattet.

Insbesondere durch die Hippiebewegung der 60er und 70er Jahre hat das Konzept den Westen erreicht. Auch wenn die meisten Menschen heute weiterhin in traditionellen Konstellationen mit einem Partner leben, gibt es inzwischen in allen Generationen Einzelpersonen, Paare und Gemeinschaften, die sich entschlossen haben, polyamor zu leben und offen darüber sprechen. 

Wie gut das funktioniert, ist eine ganz individuelle Frage. Die Beziehungsform Polyamorie ist nämlich nicht nur mit mehr Freiheiten verknüpft. Sie setzt auch Einfühlsamkeit, Achtsamkeit, Toleranz und Zugeständnisse gegenüber mehreren Partnern voraus. Die Freiheiten, die ich mir nehme, erlaube ich auch dir! Ohne Widerstände und im Idealfall auch ohne Eifersucht.

Polyamorie vs. monogame Beziehung

Demgegenüber wird in klassisch-monogamen Beziehungsmodellen die Suche nach einem festen Partner, der unsere vielfältigen Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse erfüllt, zum Dreh- und Angelpunkt des Lebens. Das erzeugt ordentlich Druck.

In einer polyamorösen Beziehung wiegen Abweichungen von einem solchen Idealbild weniger schwer. Vielleicht gibt es einen Partner, mit dem ich besonders gut reden kann. Eine andere Partnerin teilt mit mir ein spezielles Interesse oder Hobby. Und mit einem weiteren Menschen ist der Sex besonders gut.

Polyamorie scheint so zumindest auf den ersten Blick als eine Form des Zusammenlebens, in der sich viele der eigenen Erwartungen leichter erfüllen lassen. Gleichzeitig sind wir aber in dieser Verbindung dazu verpflichtet, angemessen mit den vielfältigen Gefühlen und Bedürfnissen gleich mehrerer Menschen umzugehen. 

Gemeinsam müssen wir neue Antworten auf alte Fragen finden: 

  • Welche Art von Beziehung entspricht uns wirklich? 
  • Wo beginnt und endet unsere Freiheit? 
  • Wie definieren wir Treue, wenn wir mit mehreren Frauen oder Männern intim sind? 
  • Wie wollen wir ganz praktisch im Alltag miteinander leben?
  • Wieviel Zeit verbringen wir mit wem?
  • Und wie gehen wir langfristig mit dem Thema Kinder um?

In einer Umfrage von Statista  gaben rund 85 Prozent der Befragten an, dass sie sich keine Beziehung mit mehr als einem Partner vorstellen können.

Woher weiß ich, dass Polyamorie das Richtige für mich ist? 

Die ehrliche Antwort lautet: Das können Sie gar nicht wissen. Wenn Sie Polyamorie für sich in Betracht ziehen, kommt es vor allem darauf an ehrlich zu sich selbst und dem Partner zu sein. Sie sollten offen dafür sein, etwas Neues auszuprobieren, sich aber auch gegenseitig zugestehen, Ihre Meinung wieder ändern zu dürfen. 

Dennoch können sich in so einer neuen Beziehungskonstellation auch überraschende positive Wendungen einstellen: Vielleicht treffen Sie selbst als introvertierter Zeitgenosse neben der bestehenden Partnerschaft eine neue spannende Person, die Ihre Sicht auf die Welt verändert. Möglicherweise bringt das Gefühl, nochmal von ganz anderen Menschen begehrt zu werden, richtig Schwung in Ihr Leben und Ihre Partnerschaft. 

Aber auch eine Trennung ist natürlich nicht ausgeschlossen. Deshalb gilt gerade bei Polyamorie: Bleiben Sie mit Ihrem Partner bzw. Ihren Partnern permanent im Dialog. 

Was sagt der Paartherapeut zum Thema Polyamorie? 

Was ich Ihnen schon verraten darf, ist, dass Polyamorie nicht unkomplizierter ist als Monogamie. Und sie bedeutet auch nicht weniger „Beziehungsarbeit“ – eher im Gegenteil.

Markus Breitenberger, Paartherapeut in München

Als Paartherapeut ist es nicht meine Aufgabe, Ihre Entscheidung für oder gegen Polyamorie zu beurteilen oder in eine bestimmte Richtung zu dirigieren. Vielmehr begleite ich Sie auf Ihrem Weg zu einem erfüllten Liebesleben, das Ihnen tatsächlich entspricht. Gerade beim Thema Liebe und Sex fällt es vielen Menschen schwer, wirklich ehrlich zu sich selbst und ihrem Gegenüber zu sein, weil bestimmte Vorlieben und Wünsche einfach tabuisiert sind. 

Wenngleich Polyamorie heute in den Medien viel diskutiert wird, ist es ein großer Schritt, sich selbst zu öffnen und unter Umständen eine bestehende, langjährige Beziehung völlig zu verändern. Genauso schwer kann es sein, dann die ersten Schritte zu gehen: Wo finde ich denn jetzt einen weiteren Partner? Gerade im fortgeschrittenen Alter? Wie muss ich mich verhalten? Und wie schaffen wir es, als Paar trotzdem – oder überhaupt erstmal wieder – in eine gute Verbindung zu kommen. 

Als Paartherapeut kann ich Ihnen also nicht sagen, ob Polyamorie für Sie per se gutoder schlecht ist, aber gemeinsam mit Ihnen Antworten auf Ihre Fragen finden. 

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Was berichten erfahrene Paare über Polyamorie? 

Weil so viele Menschen sich für das Thema Polyamorie interessieren, habe ich einige meiner Klienten gebeten, ihre Erfahrungen mit Ihnen zu teilen. Das sagen erfahrene Paare aus München und Umgebung über Polyamorie: 

Peter und Susanne:

„Nachdem unser jüngster Sohn ausgezogen ist, spürten wir eine gewisse Leere im Haus, aber auch in unserer Beziehung. Polyamorie war ein Experiment, das uns seit unserer Jugend interessiert hat – ohne dass wir jemals diesen Schritt gewagt hätten. Heute leben wir beide mit unseren neuen Partnern tatsächlich wieder „monogam“ zusammen, sind aber weiterhin alle gut befreundet.“

Ein Baum, in dem ein Herz mit 4 Initialen eingeritzt ist, die mit einem Pluszeichen verbunden sind.

Ann-Christin und Georg:

„Polyamorie ist für uns kein Zustand, sondern ein Prozess, in dem wir uns immer wieder an neue Lebenssituationen anpassen. Wir haben von Beginn an in einer offenen Beziehung gelebt, aber als unser Kind auf die Welt kam, wurden die Weichen neu gestellt. Wir haben gemerkt, dass wir in dieser Situation mehr Regeln und vor allem auch Sicherheit brauchen – manche Bedürfnisse aber auch ganz unterschiedlich waren. Die Paarberatung bei Herrn Breitenberger hat uns geholfen, uns trotzdem nie zu verlieren.“

Therese:

Als mein Mann vorgeschlagen hat, die Beziehung zu öffnen, hat mich das in eine tiefe Krise gestürzt. Er hatte bereits ein Verhältnis mit einer jüngeren Mitarbeiterin begonnen und wir standen kurz vor der Trennung. Es hat viel Zeit und Gespräche gebraucht, um vom ersten ,Panikmodus‘ wegzukommen und eine neue Perspektive für mich und unsere (gemeinsame) Zukunft zu entwickeln. Heute leben wir weiterhin als Familie zusammen, erlauben uns aber auch unsere Freiheiten. Ich habe einen Partner gefunden, mit dem ich meine Leidenschaft fürs Musizieren teilen kann. Ich liebe ihn genauso wie ich meinen Mann und unsere gemeinsamen drei Kinder liebe.“

Formen von Polyamorie & Beziehungskonstellationen

Es gibt verschiedene Formen der Polyamorie: Von hierarchischen und nicht-hierarchischen Beziehungen über Triaden und V-Konstellationen bis hin zu Polyfidelität, Solo-Polyamorie und komplexen Beziehungsnetzwerken.

Hierarchische Polyamorie

„Hierarchisch“ ist in diesem Fall gar nicht negativ gemeint. Tatsächlich handelt es sich hier um die häufigste Form bei polyamorösen Partnerschaften. Das heißt, es gibt eine Hauptbeziehung („Primary“) und weitere Beziehungen („Secondary“).

  • Primary-Partner: Zentrale Lebenspartnerschaft / Familie 
  • Secondary-Partner: Zusätzliche liebevolle Beziehungen mit anderen Menschen, die mehr oder weniger in den Alltag der Lebensgemeinschaft integriert werden.

Nicht-hierarchische Polyamorie

Alle Beziehungen gelten hier als gleichwertig, ohne Rangordnung. Das klingt in der Theorie total fair, ist in der Praxis aber gar nicht so leicht umzusetzen. Als Paartherapeut empfehle ich in polyamorösen Konstellationen eher großzügig zu sein, als Zeit und Aufmerksamkeit genau „abzuzählen“.

Triade (Throuple)

Drei Menschen sind alle miteinander romantisch verbunden. Jede Person hat also eine Beziehung zu den beiden anderen. Das funktioniert natürlich nur, wenn mindestens zwei Personen bisexuell sind. 

V-Beziehung

Eine Person ist mit zwei Partnern zusammen, die untereinander keine romantische Beziehung haben. Diese Konstellation passt perfekt für Paare, bei denen einer viel Lust auf Zweisamkeit hat, während die andere Person tendenziell eher Zeit für eigene Themen benötigt und somit Raum für jemand Dritten da ist. 

Polyfidelität

In dieser Konstellation gibt es eine geschlossene Gruppe von mehreren Menschen, die exklusiv miteinander zusammen sind, aber sonst mit niemand außerhalb der Gruppe. Ob sich daran tatsächlich alle halten, sei dahingestellt. Deshalb gilt hier wie bei allen Beziehungsformen: Achten Sie darauf, sich vor ansteckenden Geschlechtskrankheiten zu schützen und testen Sie sich regelmäßig. 

Solo-Polyamorie

Die Person hat mehrere liebevolle Beziehungen, möchte aber keine klassische Paarstruktur (z. B. keine gemeinsame Wohnung oder Kinder). Eine spannende Frage ist hier: Wie viel Liebe ist möglich ohne Verbindlichkeit und gegenseitige Verantwortungsübernahme? Aber wie immer gilt: Wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind, ist das Modell legitim. 

Beziehungsnetzwerke (Polycule)

Hier handelt es sich um ein größeres Netzwerk von Menschen, die indirekt oder direkt miteinander verbunden sind: A ist mit B und C zusammen, B liebt außerdem D usw. Bei jungen Menschen in Großstädten ist dieses Modell sehr beliebt. 

Was sind die Vor- und Nachteile von Polyamorie?

Mehreren engen Bezugspersonen zärtlich und emotional verbunden zu sein, kann entlastend wirken. Sorgen und Nöte werden gemeinsam aufgefangen, schöne Erlebnisse können sich intensiver anfühlen, wenn sie in diesem Beziehungsmodell mit mehreren Personen geteilt werden. 

Eine Zeichnung eines Mannes, der 3 Ballons in Herzform hält - Polyamorie? Markus Breitenberger berät Sie gerne.

Polyamorie ist entlastend

Ist ein Partner eher introvertiert und verbringt die Abende am liebsten kuschelnd auf dem Sofa, kann ein anderer wiederum der perfekte Begleiter für Abenteuer sein. Niemand in der Dreier-, Vierer- oder Fünfer-Beziehung steht unter Zugzwang, in jeder Hinsicht Präsenz zu zeigen und alles leisten zu müssen. Dadurch kann ein Gefühl großer Gelassenheit und Akzeptanz entstehen, das die Beziehung, aber auch den Alltag aller Beteiligten ungemein entspannen kann. 

Polyamorie ist abwechslungsreich

Auch der Faktor Abwechslung spielt für Menschen, die sich für Polyamorie entscheiden, eine große Rolle. Sie berichten mir in der Paartherapie in meiner Praxis in München häufig davon, dass sich zwischen Arbeit und Familie zu viel Routine in ihre Beziehung oder Ehe eingeschlichen hat. Es fehlt an Spannung und der Distanz, die nötig ist, damit wieder Leidenschaft entsteht.

Polyamorie ist herausfordernd

In einer polyamorösen Beziehung sind im Vergleich zu einer monogamen Beziehung oder Ehe naturgemäß mehr Abwechslung und mehr Freiheit vorhanden. Das geht aber möglicherweise auch mit einem gewissen Konkurrenzdruck und Eifersucht einher. Daraus können Probleme entstehen, aber auch persönliches und gemeinsames Wachstum.

Polyamorie braucht Austausch

Um solche Konflikte zu bewältigen, ist Raum für einen offenen Austausch gerade in polyamorösen Konstellationen unerlässlich. Zu wissen, dass der geliebte Partner nicht nur mit jemand anderem schläft, sondern mit dieser Person auch noch tiefe Gefühle und intimste Momente teilt, ist nicht einfach. Auch ein noch so liberales Weltbild schützt nicht davor, in gewissen Situationen in eine negative Gedankenspirale und Streit zu geraten. 

Fazit: Wie kann Polyamorie gelingen? 

Gegenüber einer Beziehung, in der beide Partner heimliche Sehnsüchte verspüren, sich nicht wirklich auf eine Beziehung einlassen oder gar fremdgehen, ist eine offen gelebte Polyamorie sicher der bessere –  weil ehrlichere – Weg. 

Polyamorie funktioniert nur, wenn alle Beteiligten sich bewusst für diese Form der Beziehung entscheiden und damit einverstanden sind. Das ist jedoch meist nicht von Anfang an so, sondern ein emotionaler Prozess mit vielen Höhen und Tiefen. Die wichtigste Basis für Polyamorie ist neben Zuneigung und Liebe die Bereitschaft zu einfühlsamem Umgang mit sich selbst und allen beteiligten Beziehungspartnern. 

Hinzu kommen gegenseitiges Vertrauen und Selbstvertrauen sowie regelmäßige offene Gespräche, bei denen alle einbezogen werden. Gut zu kommunizieren ist ebenfalls ein stetiger Lernprozess. Hier können Einzel-, Paar- und Gruppenberatungen helfen.  Polyamorie bedeutet Freiheit, aber nicht ohne Grenzen. Sie braucht Regeln. Und sie kann Treue miteinschließen, die sich aber auf einer anderen Ebene abspielt als Sex.

Als Paartherapeut in München unterstütze ich Sie gerne weiter, wenn Sie Fragen zu alternativen Beziehungsformen haben:

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FAQ: Polyamorie

Sie interessieren sich für Polyamorie oder möchten Ihre Beziehung für weitere Partnerschaften öffnen? Oder Sie befinden sich bereits in einer polyamorösen Beziehung und wissen nicht, wie Sie am besten mit bestimmten Konflikten umgehen können? Folgende Fragen werden zum Thema Polyamorie besonders häufig gestellt: 

Polyamorie beschreibt die Möglichkeit, mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig zu führen – offen, ehrlich und einvernehmlich. Im Gegensatz zu offenen Beziehungen steht bei Polyamorie nicht nur die sexuelle Offenheit, sondern vor allem die emotionale Bindung im Vordergrund. Alle Beteiligten wissen voneinander und stimmen der Beziehungsform bewusst zu.

Zwei oder mehr Personen zu lieben, ist definitiv natürlich. In vielen Weltregionen gelten die Art von Beziehungen, an denen mehr als zwei Partner teilhaben, wie etwa Polygamie bzw. die Vielehe bis heute als völlig normal. Außerpartnerschaftliche Beziehungen kommen übrigens auch im Tierreich vor, unter anderem bei den uns artverwandten Bonobos. Es stellt sich also vielmehr die Frage, ob es als natürlich betrachtet werden kann, monogam zu leben.

Ja, definitiv. Im familiären Kontext machen wir alle in Beziehungen diese Erfahrung. Gleichzeitig ist es normal, verschiedene Menschen auf unterschiedliche Art zu lieben. Das kann auch bedeuten: den einen mehr und den anderen weniger.

Polyamorie ist eine Form der Partnerschaft, die in Deutschland erlaubt ist. Mehrere Ehen mit unterschiedlichen Partnern zu führen, ist jedoch nicht möglich. 

Das Wort Polygamie bedeutet „Vielehe” oder “Mehrehe“. Ob dabei Liebe im Spiel ist, sei dahingestellt. Bei Polyamorie wird der Gefühlsaspekt betont. Sowohl Mann als auch Frau können mehrere Partner lieben oder beispielsweise mit einem anderen Paar eine enge Verbindung eingehen.

Bei Polyamorie dürfen Gefühle für mehrere Partner und Partnerinnen offen gelebt werden. Alle Beteiligten übernehmen Verantwortung füreinander. Sorgen und Nöte werden in der Partnerschaft mit verschiedenen Menschen auf mehrere Schultern verteilt. Langeweile und Routine sind vorgebeugt. 

Polyamorie verlangt von allen Beteiligten ein relativ hohes Maß an Selbstbewusstsein, Einfühlsamkeit und sozialer Kompetenz. Ansonsten sind Eifersucht und Streit vorprogrammiert. Das gilt insbesondere für ein Paar, das seine Partnerschaft oder Ehe öffnen möchte und sich dementsprechend erst gemeinsam umstellen muss. Wer mit mehreren Personen schläft, setzt sich zudem einem höheren Ansteckungsrisiko bei sexuell übertragbaren Krankheiten aus. 

Ihre Beziehung oder Ehe für Polyamorie zu öffnen, kann nur gelingen, wenn Sie beide nicht mehr monogam leben möchten und als Paar wirklich davon überzeugt sind, dass Sie mit den einhergehenden Herausforderungen zurechtkommen können und wollen. Versuchen Sie weniger zu überzeugen, als sich offen und einfühlsam zu zeigen mit Ihren Vorstellungen, Wünschen und Ängsten.

Holen Sie Informationen ein. Betrachten Sie gemeinsam Beispiele von polyamorösen Beziehungen aus Ihrem Bekanntenkreis. Setzen Sie sich als Paar gemeinsam mit dem Thema auseinander und geben Sie Ihrem Partner Zeit. Im Zweifelsfall lassen Sie sich gern in meiner Praxis für Paartherapie in München beraten. 

Literatur zum Thema

Bücher & Studien:

Şeyda Kurt: Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist
Wertvolle und zeitgemäße Orientierungshilfe für diejenigen Menschen, die ausgetretene Pfade im Liebesdschungel verlassen wollen.

Eva Illouz: Warum Liebe wehtut
Beschreibt die gesellschaftlichen Umstände, die unser Liebesleben determinieren. Erklärt die Verunsicherung und Orientierungslosigkeit von hochreflektierten, autonomen, postmodernen Individuen.

Imre Hofmann und Dominique Zimmermann: Die andere Beziehung – Polyamorie und Philosophische Praxis 
Ob und wie unterschiedliche Beziehungsstile möglich sind, wird hier lebensnah und philosophisch zugleich, betrachtet.

Friedemann Karig: Wie wir lieben – vom Ende der Monogamie
Ein spannendes Buch darüber, wie viele Menschen heute lieben wollen.

Dieter Duhm: Der unerlöste Eros
Perspektiven für eine Lebensweise, in der Zweierliebe und freie Liebe sich nicht länger ausschließen. Freie Liebe wird hier verstanden als eine Liebe frei von Lüge, Verdrängung, Angst und Gewalt.

Polyamorie – Herzen zwischen Erfolg und Hoffnung: Biographische Analysen nicht-monogamer Beziehungen
Masterarbeit zum Thema Polyamorie auf der Basis biographischer Interviews.

Dow, M. M., & Anthon, L. (2013). Cross-cultural prevalence of monogamy, polygyny, and polyandry. In J. Henrich, R. Boyd & P. J. Richerson (2012), The puzzle of monogamous marriage. Nature, 484, 489-493. Datenquelle: Ethnographic Atlas, 1.231 Kulturen.

Statista. (2017). Können Sie sich eine Beziehung mit mehr als einem/r Partner/in gleichzeitig vorstellen? Abgerufen am 25. Juli 2025 von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/744920/umfrage/umfrage-zur-beziehung-mit-

Dokumentationen: