Das Wichtigste in Kürze

  • Sexuelle Unlust ist häufig und oft normal, z. B. nach Geburt, bei Stress oder in hormonellen Umbruchphasen.
  • Ursachen sind meist vielschichtig: hormonelle Veränderungen, Pille & Medikamente, chronische Erkrankungen, psychische Belastungen sowie Partnerschaftsprobleme kommen in Frage.
  • Körper und Psyche wirken eng zusammen: Anhaltender Libidoverlust kann ein Warnsignal für körperliche oder seelische Dysbalancen sein und sollte ernst genommen werden.
  • Offene Kommunikation & ggf. Paar-/Sexualtherapie können helfen, Missverständnisse, unterschiedliche Bedürfnisse und Druck in der Beziehung zu klären.
  • Was sofort hilft: Druck rausnehmen, eigene Grenzen achten, Stress reduzieren, Lustquellen erkunden, gesunde Lebensweise fördern und bei längerem Bestehen (ca. 6 Monate) professionelle Hilfe suchen.

Was versteht man unter sexueller Unlust bei Frauen?

Frauen, die aufgrund von sexueller Unlust oder Libidoverlust in meine Praxis in München kommen, berichten häufig, dass die Unlust im Kopf beginnt. Wenn sie an ihren Partner denken, ist kein Begehren, kein Verlangen mehr da. Die Vorstellung, intim zu werden, löst Gleichgültigkeit, ein Gefühl von Überforderung oder Abneigung, den Wunsch nach Rückzug und „nicht berührt werden wollen“ aus – manchmal sogar Angst oder Ekel.

Letzteres kann übrigens auch in Partnerschaften passieren, die über Jahre gut funktioniert haben und in denen der Mann sich nichts hat zuschulden kommen lassen – im Sinne von Gewalt oder Übergriffigkeit.

Manche Frauen bekommen bereits Kopf- oder Bauchschmerzen vor lauter Druckgefühl, wenn ihr Partner signalisiert, dass er Sex haben möchte. – Markus Breitenberger

Gleichzeitig bemerken die Patientinnen, dass sich die Unlust auch auf körperlicher Ebene zeigt. Manche Frauen bekommen bereits Kopf- oder Bauchschmerzen vor lauter Druckgefühl, wenn ihr Partner signalisiert, dass er Sex haben möchte. Normale Reaktionen wie ein wohliges Gefühl oder Gänsehaut bei Berührungen bleiben aus. Im Intimbereich nehmen viele Frauen wahr, dass sie nicht wie gewohnt feucht werden und Berührungen oder Eindringen sich sogar schmerzhaft anfühlen. Kommt es dennoch zum Sex, bleibt der Orgasmus meist aus.

Viel besser ist es aber, diese seelischen und körperlichen Symptome ernst zu nehmen – und nicht entgegen des eigenen Empfindens mit dem Partner zu schlafen. Alles andere kann im Zweifelsfall sogar traumatische Folgen haben.

Wie viel Sex ist normal?

Sexuelle Unlust, die über längere Zeit anhält, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Jede zweite Frau und fast jeder dritte Mann erlebt im Laufe des Lebens Phasen sexueller Unlust, zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes oder durch starken beruflichen Stress. Auch im höheren Alter lässt das Lustempfinden nach.

Als „normal“ gilt, wenn Paare ein- bis zweimal pro Woche Sex haben. Die meisten Frauen – sowohl Singles als auch Partnerinnen – masturbieren außerdem regelmäßig. Das soll Sie jedoch nicht unter Druck setzen. Grundsätzlich gilt: Wenn Sie mit der Häufigkeit Ihrer sexuellen Aktivitäten zufrieden sind und Ihr sexuelles Verlangen sowie das Ihres Partners weitgehend übereinstimmen, besteht kein Handlungsbedarf. Eine Therapie ist nur dann notwendig, wenn Sie selbst mit der Situation unzufrieden sind.

Vorübergehende vs. dauerhafte Unlust

In vielen Fällen verschwindet sexuelle Unlust wieder auf natürlichem Weg, wenn bestimmte körperliche oder seelische Faktoren behoben werden. Sexuelle Unlust nach einer Geburt ist nicht nur normal, sondern auch ein gesundes Signal dafür, dass der Körper Zeit zur Heilung braucht und nicht der Partner, sondern das Kind im Mittelpunkt steht.

Gleiches gilt bei starkem Stress. Für unsere Vorfahren wäre es gefährlich gewesen, während Kriegen oder Hungersnöten schwanger zu werden. Wenn Sie gerade viel Stress haben, weil Sie versuchen, in einem neuen Job anzukommen oder ein kranker Angehöriger Ihre volle Aufmerksamkeit benötigt, ist es ganz natürlich, kein sexuelles Verlangen zu verspüren.

Wenn Sie jedoch über längere Zeit unter Libidoverlust leiden, ohne sich die Ursachen erklären zu können, ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen.

Was sind die häufigsten Ursachen?

Die gute Nachricht ist: In den meisten Fällen lassen sich die Ursachen des Libidoverlusts finden – und behandeln. Als erfahrener Heilpraktiker sowie Psycho- und Paartherapeut ist es mir wichtig, dabei nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern den ganzen Menschen.

Körperliche Ursachen

  • Hormonelle Veränderungen

Frauen sind im Laufe ihres Lebens – beginnend mit der Pubertät – deutlich stärker von hormonellen Veränderungen betroffen als Männer. Patientinnen, die keine Pille einnehmen, berichten häufig, wie deutlich sie ihren Zyklus wahrnehmen: die leichte, lebensfrohe Phase vor dem Eisprung, das erhöhte Lustempfinden während der fruchtbaren Tage sowie PMS mit Brustspannen, Niedergeschlagenheit und sexueller Unlust vor der Periode.

Weitere hormonelle Umbruchphasen sind Schwangerschaft, die Zeit nach der Geburt sowie die Perimenopause, also die Jahre vor dem letzten Eisprung, die bei vielen Frauen zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr beginnen.

Oft unterschätzen sowohl Betroffene als auch deren Partner, wie stark hormonelle Veränderungen das Lustempfinden beeinflussen können – und dass sich hier nicht einfach „ein Schalter umlegen“ lässt. – Markus Breitenberger

  • Nebenwirkungen der Pille

Durch die Pille wird dem Körper gewissermaßen eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Typische Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und sexuelle Unlust können damit zusammenhängen. Neben der Pille können auch andere Medikamente eine Rolle spielen, insbesondere Blutdrucksenker und Antidepressiva. Sprechen Sie darüber mit Ihrem behandelnden Arzt und informieren Sie auch Ihren Heilpraktiker stets über alle Medikamente, die Sie einnehmen.

  • Chronische Erkrankungen

Für Menschen mit chronischen Erkrankungen ist sexuelle Unlust ein großes Thema. Der Körper befindet sich häufig im Kampf- und Überlebensmodus, gleichzeitig leidet die Seele unter Sorgen und existenziellen Ängsten.

Dank moderner Medizin und Naturheilkunde ist heute bei zahlreichen chronischen Erkrankungen Linderung möglich. Viele Betroffene können trotz ihrer Beschwerden ein langes und vergleichsweise normales Leben führen – einschließlich Partnerschaft und Sexualität.

Psychische Ursachen

  • Stress, Depression, Angst

Die meisten Menschen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit psychosomatischen Beschwerden, bei denen sich die Psyche auf körperliche Funktionen auswirkt. Seelische Belastungen wie Stress, Depressionen und Angst können dazu führen, dass der Körper nicht mehr wie gewohnt auf Zärtlichkeit reagiert. Manche Frauen berichten von dem Grundgefühl: „Ich muss funktionieren.“ Raum für eigene Bedürfnisse, für ein In-sich-Hineinfühlen, für Verspieltheit und Lust bleibt dabei kaum. In der Therapie schauen wir gemeinsam, wie Stress reduziert und belastende Glaubenssätze verändert werden können.

  • Traumatische Erfahrungen

Traumatische Erfahrungen können die Sexualität stark beeinflussen. Dazu zählen sexuelle Übergriffe, aber auch andere Grenzüberschreitungen, etwa medizinische Untersuchungen oder belastende Geburtserfahrungen. Manchmal liegen diese Ereignisse lange zurück und werden erst später wieder präsent. Bleiben Sie damit nicht allein.

Partnerschaftliche Ursachen

Es ist naheliegend, die Schuld für die eigene sexuelle Unlust zunächst beim Partner zu suchen. Und leider liegen Frauen damit oftmals gar nicht so vollkommen falsch. Generationen von Männern wurden über die weibliche Sexualität nicht ausreichend aufgeklärt. Hinzu kommt der allgegenwärtige Konsum von Pornografie, der ein völlig falsches Bild weiblicher Bedürfnisse und Wünsche vermittelt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen von Frauen stetig. Sie wünschen sich, dass Männer sich aktiv in die Beziehung einbringen, sich Mühe geben, romantisch sind und nicht einfach „nehmen, was sie wollen“. Damit Frauen und Männer hier zusammenfinden, ist es unerlässlich, miteinander zu reden.

Kommunikationsprobleme

Gerade in langen Partnerschaften kann es passieren, dass Partner sich auseinanderleben. Zwischen den vielen Anforderungen des Alltags – Familie und Job – bleibt oft wenig Zeit, um durch innige Gespräche und ein aktives Liebesleben miteinander in Verbindung zu bleiben. Patientinnen berichten mir häufig, dass sie das Gefühl haben, sich weiterzuentwickeln, während ihr Partner auf der Stelle bleibt. Sie möchten über ihre sexuellen Wünsche sprechen, vielleicht sogar Neues ausprobieren, werden aber nicht gehört oder wissen nicht, wie sie sich mitteilen können.

Wenn Sex nur noch Pflichterfüllung ist, kann natürlich keine Lust entstehen. – Markus Breitenberger

Als Paar- und Sexualtherapeut berate ich Sie gern auf dem Weg zu einer erfüllten Sexualität.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Vielleicht stellen Sie im Gespräch mit Ihrem Partner fest, dass Sie ganz unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse haben.

Dann lautet die Frage: Können Sie trotzdem zusammenfinden und sich auf die Wünsche des anderen einlassen, damit Ihre Sexualität wieder interessant und aufregend wird?

Vielen Frauen fällt es beispielsweise leichter, mithilfe von Sextoys zum Orgasmus zu kommen. Männer empfinden dabei jedoch nicht selten Unbehagen, weil sie das Gefühl haben, „ersetzt“ zu werden. Manche Frauen möchten dominiert werden, sehen sich jedoch mit Partnern konfrontiert, die davon überfordert sind, weil im Alltag oft gerade das Gegenteil gefragt ist: ein moderner, emanzipierter, sanfter Mann, der sein Verlangen kontrollieren kann. Einen Weg zu finden, über solche Themen offen zu sprechen, kann gerade bei sexueller Unlust Wunder wirken.

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Was hilft gegen sexuelle Unlust bei Frauen?

Wenn Sie feststellen, dass die sexuelle Unlust über längere Zeit anhält, kann ich Ihnen als erfahrener Heilpraktiker und Psychotherapeut nur dazu raten, nicht damit allein zu bleiben.

Lassen Sie sich nicht länger Ihre Lebensfreude nehmen und klären Sie vor allem ab, ob Ihr Libidoverlust womöglich mit einer ernsthaften Erkrankung zusammenhängt.

Medizinische Abklärung

Insbesondere wenn aus schulmedizinischer Sicht keine körperlichen Ursachen für Ihren Libidoverlust vorliegen, lohnt sich ein Besuch beim Heilpraktiker Ihres Vertrauens unbedingt. Ärzte haben oft nur wenig Zeit für jeden Patienten und behandeln eher symptomatisch als ganzheitlich. In meiner Praxis in München nutze ich das Beste aus Schulmedizin und Naturheilkunde. Wir schauen uns Ihre Laborwerte und Ihre gesamte Patientengeschichte ganz genau an, nehmen uns aber auch die Zeit, alle relevanten psychosozialen Faktoren miteinzubeziehen.

Sexual- und Paartherapie

Ihre Libido hat immer Auswirkungen auf Sie als Paar. Es ist daher naheliegend, Ihren Partner zur Therapie mitzubringen, sofern Sie beide das möchten. Sexualität ist trotz aller Offenheit immer noch mit Scham und Tabus behaftet. Deshalb fällt es vielen Menschen schwer, darüber zu sprechen. In einer Paar- und Sexualtherapie lernen Sie genau das: Zuzuhören, sich leiten zu lassen und sich selbst zu öffnen – ohne Druck und ohne Überforderung.

Lebensstil und Ernährung

Eine erfüllte Sexualität kann sich nur dann einstellen, wenn wir Raum dafür schaffen. Am besten funktioniert das in einem gesunden Körper und einem gesunden Geist. Als Heilpraktiker und Therapeut schaue ich gemeinsam mit Ihnen, wo Stellschrauben liegen, an denen Sie ansetzen können: eine gesündere Ernährung, regelmäßige soziale Kontakte sowie Bewegung und Sport an der frischen Luft.

Wenn Sie Ihrem Körper und Geist all das geben, was er braucht, damit Fortpflanzung gut funktionieren kann – selbst wenn Sie gar keine Kinder (mehr) planen –, wirkt sich das auch positiv auf Ihr Lustempfinden aus.

Was Sie sofort tun können

Grenzen: Setzen Sie sich nicht unter Druck und stehen Sie zu Ihren Grenzen. Lassen Sie sich niemals auf Sex ein, den Sie gar nicht möchten.
Lust: Wenn sich Momente ergeben, in denen Sie Lust empfinden, gehen Sie diesen nach. Masturbieren Sie, wenn Sie Lust haben. Achten Sie darauf, was Sie reizt und Ihnen guttut. Das kann ein heißes Bad sein, ein bestimmtes Sexspielzeug oder eine Fantasie.
Symptomtagebuch: Gibt es Situationen oder Fantasien, bei denen Sie Lust empfinden? Was erstickt Ihre Lust?
Entspannung: Gibt es Stressfaktoren, die Sie ausschalten können? Oder Aktivitäten, die Ihnen helfen, Ihr Stresslevel zu senken?
Nährstoffe: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und eine ausreichende Zufuhr von Nährstoffen. Verzichten Sie möglichst auf Nikotin und Alkohol.
Unterstützung: Bleiben Sie mit Ihren Sorgen nicht allein. Sprechen Sie bestenfalls mit Ihrem Partner, Freundinnen oder dem Therapeuten Ihres Vertrauens.

Fazit

Besonders beim Thema Sexualität spüren wir immer wieder, wie eng Körper und Geist miteinander verbunden sind. Sexuelle Unlust ist ein weit verbreitetes Phänomen, das harmlose, aber auch schwerwiegende Ursachen haben kann. Weil das Thema noch immer tabuisiert ist, suchen viele Betroffene keine Unterstützung und riskieren damit nicht nur ihre Beziehung, sondern auch ihre Gesundheit. Dabei bieten Schulmedizin, Naturheilkunde und Psychologie zahlreiche Möglichkeiten, die helfen können, die Probleme zu überwinden.

Als Naturheilkundler und Paartherapeut unterstütze ich Sie gern auf Ihrem persönlichen Weg zu Gesundheit und einem erfüllten Liebesleben:

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FAQ – Häufige Fragen

Wie spreche ich mit meinem Partner über fehlende Lust, ohne ihn zu verletzen?

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Partner nicht das Gefühl geben, er sei allein schuld oder verantwortlich für Ihre Unlust. Andernfalls wird Ihr Gegenüber wahrscheinlich direkt in die Defensive gehen. Sprechen Sie lieber darüber, was Sie sich wünschen, anstatt zu sagen, was er falsch macht. Zum Beispiel: „Ich merke, dass ich mehr Lust auf Sex mit dir habe, wenn du mich länger streichelst und berührst.“ oder „Ich wünsche mir, dass wir manchmal auch einfach nur kuscheln können, ohne dass es auf Sex hinauslaufen muss.“

Kann eine Paartherapie bei sexueller Unlust helfen, auch wenn nur eine Person ein Problem empfindet?

Ja, definitiv. In einer Paartherapie ist es fast immer so, dass ein Partner ein stärkeres Problemempfinden hat. Ihre Sexualität betrifft Sie beide, und Sie können nur gewinnen, wenn Sie gemeinsam zur Therapie kommen.

Gibt es Warnzeichen, dass sexuelle Unlust ein Symptom für eine andere Erkrankung ist?

Ja, sexuelle Unlust kann ein Hinweis auf bestimmte Erkrankungen sein, zum Beispiel auf eine Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto. Viele Erkrankungen, darunter auch Krebs, führen zunächst zu diffusen Symptomen wie Müdigkeit und Unlust. Deshalb ist es immer sinnvoll, mögliche Ursachen abklären zu lassen.

Wie lange sollte ich warten, bevor ich professionelle Hilfe suche?

Als Faustregel gilt, dass man sich Hilfe suchen sollte, wenn die sexuelle Unlust etwa ein halbes Jahr anhält. Wenn Ihre sexuelle Unlust jedoch erst seit zwei Monaten besteht und Ihnen trotzdem Sorgen bereitet, hören Sie unbedingt auf Ihr Bauchgefühl und konsultieren Sie den Arzt oder Heilpraktiker Ihres Vertrauens.

Autor:
Markus Breitenberger, Paartherapeut in München seit mehr als 25 Jahren.

Quelle:
Muise A et al. (2016). Sexual Frequency Predicts Greater Well-Being, but More Is Not Always Better. Social Psychological and Personality Science. https://www.researchgate.net/publication/284175688_Sexual_Frequency_Predicts_Greater_Well-Being_But_More_is_Not_Always_Better Zugriff: 17.02.2026